Freitag, 19. Mai 2017

Was sind Larp, Cosplay, Marktgänger und historisch orientierte Ausstattung?

Für viele, die zum ersten Mal in das 'Hobby' abtauchen, ist es oft sehr überraschend festzustellen, dass sich die anderen, die sich auch 'seltsame Klamotten' anziehen, abgrenzen und behaupten, etwas ganz anderes zu machen.

Aber was sind dann nun die verschiedenen Spielarten? Was beschreibt den Anspruch an die Kleidung, die man im dem Hobby trägt?

Es sollte eigentlich niemand auf jemand Anderen herabschauen, weil es teilweise komplett unterschiedliche Dinge mit unterschiedlichen Ansprüchen sind. Aber manchmal klafft zwischen dem, was einige behaupten zu machen, und dem, was sie wirklich tun, eine riesengroße Lücke, so dass Missverständnisse vorprogramiert sind.

Und damit es nicht zu Missverständnissen kommt, hier eine Aufzählung der gängigsten Spielarten:

Donnerstag, 18. Mai 2017

Frauenmäntel bei den Wikingern?

Die Diskussion gibt es immer wieder und als eine der Grundlagen gilt der Artikel:


Dazu muss ich sagen, dass ich den Text nur teilweise verstehe und mich auf die die Bilder und die Deutschen Zeilen verlassen habe. Deswegen kann es durchaus sein, dass mir einige Feinheiten in ihrer Interpretation entgangen sind. Das möge man mir bitte nachsehen.

Ich finde es sehr mutig, dass aufgrund von Textilien an Spangen und einem Vergleich mit Männergräbern auf Mäntel bei Frauen geschlossen wird. 
 
Warum mutig?

 
Das Grab 735 ist ein Männergrab, dort gibt es auf der Br
ust des Mannes mehrere Brettchenborten, die auf Stoff genäht wurden. Allerdings fehlen hier die Knöpfe, wie sie für Kaftans, die z.B. in Lettland verwendet wurden.
Ist somit kein 100 % Nachweis, dass die Brettchenborte für ein Kaftan verwendet wurde, aber die Fundlage ist doch überzeugend und ich würde es für einen Kaftan verwenden.

 
Die Funde, die auf einen Frauenmantel hinweisen, sind Spangen mit gröberen Stofffragementen. 


Ja, aber sie könnten genau so gut auf Schultertücher hinweisen, wie es z.B. das Grab 824 hat (allerdings wurde da das Schultertuch an den Schalenfibeln befestigt).
Auch bei der Frauenfigur von Aska (aus Goland, das sowieso eine andere Mode hat als der Rest von Skandinavien) hat eine Fibel am Hals, die auf Tuch oder Mantel schließen lässt. 
 
Dann die Posamentierarbeiten, die mit Schnurverzierungen auf Estländischen Mänteln verglichen wird. 

Aber wo wurden die Posamentierarbeiten in Birka gefunden?

Grab 524 - das ist ein Männergrab, fällt also raus aus unserem Nachweis für Frauengräber, Grab 542 ist auch ein Männergrab, 644 - ein Frauengrab, aber das Posament lag zwischen den Oberschenkeln zusammen mit anderen Kram... 710 ist wieder ein Männergrab. Genau wie 957.
 
Und darauf zu schließen, dass eine Arbeit, die zwischen den Oberschenklen lag, auf Verzierungen zu schließen, die lt. Hägg auf dem Oberkörper lagen, ist nicht überzeugend.


Ihr könnt euch selbst ein Bild von den Artikel machen, aber mit diesen Argumenten gibt es bei mir keinen Mantel, sondern ich bleibe beim Schultertuch.

Dienstag, 16. Mai 2017

Ein Muster verschiedene Techniken

Nachdem ich das Muster aus Prienieki/Litauen 11. Jhd gewebt habe, musste ich doch mal ausprobieren, wie es aussieht, wenn ich es in anderen Techniken webe:

Links Schnurbindung mit 8 Musterbrettchen, Drehrhytmus 5v5z, Mitte, Missing Hohle auch 5v5z, rechts das historische Muster als zweiloch Gewebe mit 14 Musterbrettchen, individuell gedreh.

I was curios how the early mediveal pattern from  Prienieki/Latavia would appear if it would be woven in different ways.

Left as a simple band with 5 forward / 5 backward, in the middle as missing hole with 5 forward / 5 backward. Right the pebble weave with 14 tablets and a individual rythm.


Alle Bänder sind zwischen 1,0 und 1,2 cm breit und ensprechen der damaligen Mode... 
 

Dienstag, 9. Mai 2017

Ein neuer Peplos

Zeitstellung 550 - 450 v. Chr, Eisenzeit. Süddeutschland für eine wohlhabenden keltischen Darstellung.

Die Schuhe sind Interpretationen auf der Baisis von Schuhleisten, Schuhgefäßen und Abbildungen
Der Peplos entspricht den Abbildungen auf Situlen und wird oben mit zwei Fibeln nach Funden aus Süddeutschland geschlossen. Der Stoff wurde von Marled gewebt und einem Fund aus Hochdorf nachempfunden. Am oberen Ende ist der Peplos mit einer schmalen, angewebten Brettchenborte verziert.

Das Gürtelblech ist den Grabfund aus Hallstatt nachempfunden - es gibt aber auch in Süddeutschland genügend ähnliche Funde. 


Schleier - es gibt zwar den Fund von einem Fragment mit Bortenkannte aus Bescheid (HA D) aber auch hier mussten Abbildungen von Situlen herhalten. Beim Schnitt habe ich mich an den Kopfbedeckungen des wikingerzeitlichen Dublin orientiert - und ich habe zum ersten Mal einen Schleier, der mit zwei Nadeln hält ;-)




Entstanden im Keltendorf in Otzenhausen


 
P.S.: das Huhn ist modern, aber erste Nachweise von Hühnern in Deutschland gibt es von der hallstattzeitlichen Heuneburg.


Freitag, 28. April 2017

Hallstatt das Band Nr. 1

Manchmal muss man ein Band noch einmal weben. Besonders dann, wenn man merkt, dass man beim ersten Versuch das Muster nicht ganz korrekt erwischt hat.

Inzwischen habe ich einige Bücher mit Bildern von der Borte so dass es für mich recht einfach war, das Muster zu modifizieren.

Hatte ich das Band damals mit chemisch gefärbter Wolle gewebt, so habe ich mich dieses Mal für kermes- und waidgefärbte Wolle entschieden, für die Borten im Salzbergwerk gibt es zwar keine Farbstoffanalyse, aber andere Textilien wurden untersucht und es wurde als Farbstoff Instekt herausgefunden. Nach über 2.000 Jahren im Salz war keine genauere Analyse möglich. Aber da Kermes das Insekt war, welches heimisch war, habe ich mich dafür entschieden.

Dank der großzügen Spende eines Islandponys (Danke Marled) konnte ich auch wie im Original Pferdehaar als Schussfaden verwenden.



Sonntag, 9. April 2017

Hochdorf

Als ich vor drei Jahren mit der Borte angefangen hatte, habe ich ein anderes Material als im Original verwendet und mir weniger knalligere Farben ausgesucht, denn ich dachte, dass ich sowieso niemals kermesgefärbte Wolle in so feiner Qualität bekommen würde.

Nun, ich habe sie jetzt und deswegen habe ich entschieden, dass 65 cm genug sind, damit man einen Eindruck von der Borte bekommt.

Ich habe sie heute vom Webstuhl geschnitten...

... und wie man sieht, hatte ich eigentlich mehr geplant.

Sonntag, 19. März 2017

Vögelchen / Birds

Es gibt sie, die Lieblingsmuster, die man immer wieder gerne webt. Bei mir sind es u.a. die Vögel aus dem Grab der hl. Bertille / Chelles aus dem 7. Jhd.

Ich hatte das Muster dieses Mal als 'Anschauungsobjekt' für einen Workshop beim Brettchenwebertreffen in Viersen aufgekettet. Nicht viel, nur einen guten Meter, doch damit mir nicht langweilig wurde, habe ich nach dem Kursus das Muster für mich ein wenig abgewandelt.


Montag, 13. März 2017

Brettchenwebertreffen in Viersen

Eine der wenigen Veranstaltungen im Jahr, wo ich unbedingt hin MUSS!

Einfach, weil das Haus schön ist, die Betten bequem, Menja alles gut organisiert hat und (das allerwichtigste) sie auch noch superlecker kocht.

Zudem sind die Mädels auf meiner 'Stube' prima (wir teilen uns zu viert ein Zimmer). Und Montags bin ich immer heiser - vom Quatschen und Lachen.


So auch dieses Wochenende!

Freitag, 17. Februar 2017

Schnütgen Museum, Köln

Ja, es gibt sie, die Museen, die Textilien nicht nur in ihren Archiven horten, sondern auch ausstellen.

Das Schnütgen Museum in Köln gehört dazu.

Dafür dass im Archiv unzählige Textilien aufbewahrt werden, ist die Auswahl leider sehr gering. Was wohl auch daran liegt, dass das Interesse nicht so groß ist.

Ich hatte über eine Freundin erfahren, dass es im Schnüttgen Museum ein Führung zum Thema Textilien gab und war spontan nach Köln gefahren. Außer den Textilbegeisterten, die sie zusammengetrommelt hatte, waren nur 3 weiter Personen zu der Führung gekommen. Nicht die Resonanz, die ein Museum motiviert, mehr in Sachen historischer Textilien zu organisieren.

Die Führung war spannend und danach hatten wir noch die Möglichkeit, das Museum weiter zu erkunden.

Ich bin achtlos daran vorbei gegangen aber Renè wurde in der Krypta fündig und rief mich.

Und wir durften ohne Blitz fotografieren.

Samstag, 11. Februar 2017

Brettchenwebertreffen Vol. VI

Das Brettchenwebertreffen fand wie üblich im Unperfekthaus in Essen statt. Der Raum 404 hatte genau die richtige Größe und hatte viel natürliches Licht.
Neben dem Weben stand natürlich der Austausch im Vordergrund und wir haben viele Bücher zum Blättern gehabt und sehr viel geredet.

Sonntag, 5. Februar 2017

Klarstellung

Das ist meine Borte, mein Becher, meine weiße Wolldecke. Die Borte habe ich Anfang 2014 gewebt und das Bild wurde von mir am 08.02.2014 aufgenommen und kurz darauf auf meiner Homepage veröffentlicht.

Dienstag, 31. Januar 2017

Die Borten aus den Gaigovo Gräbern hier Gaigovo I

Ich möchte in diesem Post nur zeigen, dass es durchaus Gräber mit erstaunlich vielen Bortenfunden gibt.

Mal wieder Ladoga und mal wieder Gaigov I

Ich habe versucht, alle Borten aus dem Grab zu weben. Da es sich um ein Brandgrab handelt, ist nicht klar, wofür die Borten ursprünglich verwendet wurden. Einige waren an Stoffe genäht, doch bei den restlichen werden wir es wohl nie erfahren.


Samstag, 7. Januar 2017

Textilien von der Gaigovo barrow group (Russia, Leningrad oblast)

Vielleicht besser bekannt als Funde aus Ladoga/Russland.

Hatte ich 2014 'nur' ein russisches Buch zur Hand, wo ich anhand der Bilder arbeitete, so informierte mich kurz vor Weihnachten eine Freundin, dass es in der Archaeological Textiles Review No. 58 einen weiteren Artikel zu dem Fund gab und reichte ihn mir weiter.

Eigentlich wollte ich im Urlaub an anderen Projekten weiter arbeiten, aber jetzt gab es dringenderes...

Ich war sehr überrascht, dass das Bortenfragment von Tafel 6 + 7 aus dem Buch von ein und dem selben Band stammten. Ich hatte Tafel 6 für ein Zweilochgewebe gehalten und gewebt, während ich 7 eher als ein Köperband eingeschätzt hatte.



Mittwoch, 4. Januar 2017

Das brettchengewebte Band von Altrier / LUX

Das brettchengewebte Band, das um  ca. 430  v. Chr. datiert ist (La Tène A), wurde bereits 1971 ausgegraben, aber erst mit dem Bericht in NESAT XII gibt es eine ausführlichere Beschreibung inklusive eines Bildes von dem Muster.

Ich muss gestehen, dass ich lange und ausfühlich auf das Bild gestarrt habe, aber alles, nur kein Muster erkannt hatte.
Erst als Sylvia Crumbach ihren ersten Entwurf veröffentlichte, ging mir ein Licht auf (ok, es war ein ganzer Kronleuchter) und ich sah das Muster.

Im Gegensatz zu Sylvia Crumbach sah ich es aber nicht als Köperborte mit ausglassenen Einzug, sondern hatte es als Sulawesi mit ausgelassenem Einzug entworfen (andere Anfangsstellung der Brettchen, anderer Drehrhythmus). Doch um es auszuprobieren hatte ich nur eine kurze Kette aufgezogen.

Es funktionierte und sogar die Punkte in der Mitte des Musters sind da - aber nur in jedem zweiten Motiv. Und die Struktur ist gut, aber sieht leider nicht so aus, wie auf der Abbildung.